Der Name ist Programm

FOTOS UND TEXT: Hans-Jürgen John

Der Name ist Programm

Thomas Stark, Elektorinstallateur
Routine für Elektroinstallateure: Thomas Stark montiert eine Deckenleuchte.
 

Thomas Stark aus Zwingen (BL) wagt als Elektroinstallateur den Schritt in die Selbständigkeit. Mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk meistert er etliche Hürden.

Mit raschen Bewegungen schliesst Thomas Stark eine Netzwerksteckdose in seinem Büro an. Hier verbindet er einen Computer mit dem Internet. Der Elektroinstallateur aus Zwingen (BL) arbeitet seit Dezember 2015 selbständig mit seiner Stark Strom GmbH. «Es ist ein Risiko», sagt er. Das Vertrauen in die Kunden und seine Fähigkeiten machten diesen Schritt indes kalkulierbar. Arbeit sei genug da.

Stark prüft, ob der Strom abgestellt ist. Sicherheit geht immer vor. Dann nimmt er sich eine Leiter und montiert eine Deckenleuchte. Während andere noch über den Frankenschock jammern, stellt er Anfang April den ersten Mitarbeiter ein. Der Weg bis dahin ist lang. Der vierjährigen Ausbildung zum Elektromonteur folgen sechs Jahre Praxis. Die Prüfung zum Elektrokontrolleur und Chefmonteur besteht er 1997. Damit ist er berechtigt, auszubilden. Seit er die höhere Fachprüfung zum eidgenössisch diplomierten Elektroinstallateur 2007 abgelegt hat, überlegt er, sich selbständig zu machen.

2015 ist es so weit. Die Kinder sind in einem Alter, in dem sie den zweiten Elternteil weniger brauchen. Thomas Stark ist seit 1999 verheiratet. Mit seiner Frau Carmen hat er drei Kinder zwischen 14 und 20 Jahren. Die Familie kommt für ihn an erster Stelle. Das geht ihm so wie vielen anderen. «Dafür arbeiten wir schliesslich.» Sein ältester Sohn absolviere eine Lehre als Automatiker in den Pilatuswerken in Stans (NW). «Und Urban beginnt eine Lehre als Elektroinstallateur in Breitenbach.»
 
Ohne Elektroinstallateure geht nichts

Beim Elektroinstallateur denken die meisten an eine Person, die mit Hammer und Meissel Schlitze ins Mauerwerk von Rohbauten klopft. Um damit Raum für Elektrokabel und Steckdosen zu schaffen. Dabei sei das eine Tätigkeit von vielen. Thomas Stark lächelt. Eine Person, die mit Schraubenzieher und Plan eine Leitung anschliesse, um eine Verbindung zu schaffen, passe besser in die Realität.

Der 46-Jährige ist überzeugt, dass seine Branche krisensicher ist. «Wir machen uns unentbehrlich. Wir sind bereits da, wenn das Fundament gelegt wird, und erden es. Praktisch bis zum Bezug des Hauses sind Elektroinstallateure anzutreffen.» Sie schlitzen Wände auf und bereiten sie für Kabelrohre vor. Sie verlegen Schalterkästchen unter Putz und ziehen Drähte und Kabel in die Rohre ein. Die Haustechnikanlagen – Heizung, Boiler, Lüftung – werden angeschlossen. Elektroinstallateure montieren Schalter und Steckdosen. Am Schluss sind alle Beleuchtungen «ready for use».

Thomas Stark steigt aufs Flachdach der Gewerbeliegenschaft, in der sein Büro liegt. Die ganze Fläche wird für die Photovoltaikanlage genutzt. Sie produziert in Zwingen genügend Strom für 30 Einfamilienhäuser. Geduldig prüft er die Anschlüsse.

Thomas Stark prüft eine Photovoltaikanlage in Zwingen (BL). Sie liefert Strom für 30 Einfamilienhäuser.
Thomas Stark prüft eine Photovoltaikanlage in Zwingen (BL). Sie liefert Strom für 30 Einfamilienhäuser.
 
Neben der Arbeit und der Familie bleibt wenig Zeit. So liegt nahe, dass sein Steckenpferd Teil seiner Arbeit ist. Erneuerbare Energien wie Photovoltaik faszinieren ihn. Die Nachfrage nach diesen Anlagen steigt. Mit Zustimmung des jeweiligen Energiebetreibers wird überschüssiger Strom in das Netz eingespeist. «Ich bin überzeugt, dass in nächster Zeit die Energie aus Photovoltaikanlagen kurzfristig speicherbar wird. Will die Schweiz ohne Kernkraftwerke auskommen, braucht sie neben den Wasserkraftwerken und den Pumpspeichern mehr von solchen Kurzzeit-Speicheranlagen.»

Im Büro arbeitet Stark am PC mittels CAD-Programm die Pläne für die Elektroinstallationen eines Mehrfamilienhauses aus. Wo er früher von Hand mühsam gezeichnet hat, entstehen wie von Zauberhand Steckdosenanschlüsse und Verteilerkästen.

Starks Werdegang mag anderen Mut machen, es gleichzutun. «Anfangs war ich einige Jahre als Monteur auf Baustellen unterwegs.» Bereits früh konnte er bei der Planung von Bauten als Sachbearbeiter und als CAD-Zeichner mitwirken. Über den Projektleiter, Chefkontrolleur und Filialleiter stieg er dann zum Geschäftsführer eines KMU auf.

Der Fachkräftemangel sei ein Problem. Ohne Arbeiter aus dem Ausland gehe es in der Schweiz zurzeit nicht, sagt Stark. Auch ein Vorrang der Inländer mache wenig Sinn. «Die Fähigkeiten müssen den Ausschlag geben.» Und so ist für ihn Weiterbildung der wichtigste Schritt, um auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können.
 
Mehr Lehrstellen als Interessierte

Ihn persönlich packte der Beruf, als er in einer Schnupperlehre mit einer Spitzmaschine und einer Schlitzmaschine Installationen in Backsteinwänden unter Putz verlegen durfte. «Dies hat enorm viel Kraft gebraucht und hat mir sehr viel Spass bereitet. Daraufhin habe ich mich für diesen Beruf entschieden. Prompt kam die Zusage für diese Lehrstelle.»

Schade findet er, dass es derzeit mehr Lehrstellen als Interessierte gebe. «Dabei sind die Aufstiegschancen sehr gut.» Als Projektleiter und eidgenössisch diplomierter Elektroinstallateur ist der Schritt vom Arbeiter zum Teamleiter gemacht. Über weitere Ausbildungen erfolgen Spezialisierungen für die IT-Branche, Energieberatung und Photovoltaik. Haustechnik-, Brandmelde- und Alarmanlagen sind mögliche Betätigungsfelder.

«Das ist für jeden etwas», ist sich Stark sicher. Wer gerne bei Wind und Wetter draussen sei und technisches Verständnis mitbringe, habe es in diesem Beruf leichter. Vieles sei einfacher geworden im Vergleich zu früher. Das Internet ermögliche, sich von unterwegs technische Anleitungen anzusehen.

Und meisselte der Elektroinstallateur noch vor einigen Jahren von Hand die Schlitze für die Elektrorohre, gebe es heute Maschinen und spezielles Werkzeug, die die schwere Arbeit abnähmen. Wie in vielen anderen Handwerksberufen verlagert sich der Schwerpunkt von der körperlichen zur Kopfarbeit. «Ein anspruchsvoller Job», fasst Thomas Stark zusammen.

Per CAD-Programm plant Thomas Stark die Elektroinstallationen eines Mehrfamilienhauses.
Per CAD-Programm plant Thomas Stark die Elektroinstallationen eines Mehrfamilienhauses.
 
Der Schritt in die Selbständigkeit war letztes Jahr nicht mehr ganz so gross. «Ich habe mich als Angestellter immer für die Firma eingesetzt, als wäre sie meine eigene. Mit der Selbständigkeit zahlt sich dieses Engagement nun für mich aus.»

Die Fragen, die zusammen mit der Existenzgründung auftauchten, bewältigte er dank der Mithilfe des Business Parc in Reinach. Das Coaching-Team unterstützt Start-ups vor, während und nach der Gründung. «Dafür bin ich sehr dankbar. Ohne die Hilfen des Kantons und des RAVs wären viele Existenzgründungen undenkbar.» Am wichtigsten für die Kalkulation des Risikos und des möglichen Wachstums ist der Finanzplan. Darunter falle auch der Liquiditätsplan, die voraus kalkulierte Einnahmen- und Ausgabenrechnung.

Einige Fragen bleiben für Thomas Stark existenziell: Darf ich diese Maschinen kaufen? Darf ich jemanden einstellen? Eine Fehlentscheidung kann ihn in den Konkurs führen.

Allerdings ist die Existenzgründung nicht für jeden geeignet. «Es braucht sowohl fachliche wie auch kommunikative Fähigkeiten. Dazu kommt ein Netzwerk.» Daher sei die Rechnung, dass mehr Selbständige die Arbeitslosigkeit in der Schweiz verringern könnten, grundsätzlich richtig, aber zu einfach formuliert.
 
Etwas finden, das Spass macht

Erleichtern könnten Bund und Kantone den Schritt in die Selbständigkeit sehr, indem sie mutige Handwerker entlasteten. «Neuunternehmungen müssten im ersten Jahr teilweise von den Sozialleistungen entbunden werden.» Schon die kurze Zeit als Selbständiger hat Stark gezeigt, welche Hürden er überwinden muss. Zahlungen an BVG und AHV sind Vorauszahlungen. Könnte er diese Zahlungen erst zusammen mit der Lohnzahlung begleichen, wäre das eine grosse Erleichterung. «Hier ist eine Änderung notwendig.»

Was rät Thomas Stark jenen, die sich beim Berufswunsch schwertun? «Du musst etwas finden, das dir Spass macht.» Um das herauszufinden, seien Praktika da. Sei der Spass da, komme das Interesse, mehr wissen zu wollen, automatisch.

«Richtig erfolgreich werden nur die, die von ihrer Arbeit begeistert sind und das auch zeigen», ist er überzeugt. Sobald ein Jugendlicher realisiert: Alles, was ich mir leiste, finanziert mein Job, denkt er um. Schliesslich sei Arbeit Erfüllung und bringe Freude und Selbstbestätigung. «Das Gefühl, etwas zu leisten, ist toll.»

Vorbereitung für den nächsten Arbeitstag: Jeden Abend belädt Thomas Stark seinen Lieferwagen.
Vorbereitung für den nächsten Arbeitstag: Jeden Abend belädt Thomas Stark seinen Lieferwagen.
 
Dieser Artikel wurde von mir auf www.derarbeitsmarkt.ch veröffentlicht.

Arbeit ist auch Leben

TEXT: Hans-Jürgen John
FOTOS: Nana do Carmo

Arbeit ist auch Leben

Regula Zellweger unterstützt Stellensuchende als Buchautorin und Berufsberaterin.
Regula Zellweger unterstützt Stellensuchende als Buchautorin und Berufsberaterin.
 

Regula Zellweger, 63, lebt ihre Mission: Sie ist glücklich, wenn sie Inhalte so vermitteln kann, dass es andere und sie selbst vorwärtsbringt. Die Laufbahnberaterin aus Obfelden (ZH) geht Hürden lösungsorientiert an.
 

Frau Zellweger, Sie haben eine bunte Laufbahn und einen interessanten Jobmix: Primarlehrerin, Bibliothekarin, Psychologin, Berufs- und Laufbahnberaterin, Buchautorin, Chefredaktorin, Journalistin, Seminarleiterin, und Sie sind auch Mutter dreier Kinder. Sind Sie eine Titeljägerin?
Nein, ich bin Überlebenskünstlerin. (Lacht.) Ich bin vielseitig interessiert und lebe das auch.
 

Welche Tätigkeiten üben Sie aktiv aus?
Als Chefredaktorin, Kursleiterin und selbständige Laufbahnberaterin bin ich im Moment aktiv. Ich arbeite an einer Broschüre zum Thema Weiterbildung und an einem Berufsinformationsmittel zu Textilberufen. Ich berate gerne. Die Arbeit als Chefredaktorin des Monatsmagazins «active live» macht riesig Spass. Ich bin als Lokaljournalistin unterwegs, leite Kurse, schreibe gerne Blogs und Bücher und vernetze mich fleissig.
 

Sind mehrere Berufe nötig, um auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können?
Das kommt darauf an. Man darf sich nicht verzetteln. Ich habe eine klare Linie und lebe meine berufliche Mission in vielen Facetten. Sie heisst: «Ich bin glücklich, wenn ich Inhalte so vermittle, dass es andere und mich vorwärtsbringt.» Alle meine bisherigen beruflichen Tätigkeiten entsprechen meinem roten Faden durchs Berufsleben. Ich empfehle jedem, seine eigene berufliche Mission in einem Satz zu formulieren: «Was ist mein Ding?»
 

Wie gehen Sie vor, wenn Sie etwas erreichen möchten?
Ich entscheide mich dafür und erlaube mir, es auszuprobieren. Zielanpassungen sind immer mal wieder nötig. Statt hundertmal mit dem Kopf durch die Wand suche ich neue, kreative Lösungen. Wir spielen das Leben vierhändig, mein Schicksal und ich. Wenn ich ein Ziel zu erreichen versuche, kommen mir manchmal die anderen zwei Hände in die Quere. Ich muss mir keinen Kopf machen, wenn etwas nicht klappt. Ich bin nicht allmächtig, sondern Teil verschiedenster Systeme.
 

Wo setzen Sie Ihre Strategie an?
Ich packe Gelegenheiten und handle. Frechmutig. Im Griechischen gibt es die Begriffe Kairos und Chronos für Zeit. Chronos ist die messbare Zeit, Kairos der richtige Moment. Kairos ist in der griechischen Mythologie als Jüngling mit Flügeln und einer langen Locke vor dem Gesicht dargestellt. Man sagt, dass Menschen, die erfolgreich sind, immer wieder Kairos, die gute Gelegenheit, beim Schopf packen.
 

Das tönt alles sehr selbstbestimmt. Da sind aber auch äussere Einflüsse, die einen Strich durch die Rechnung machen können.
Es ist nicht alles machbar. Beispielsweise wenn jemand aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu einer gewünschten Weiterbildung hat, nützt alle Zielsetzung wenig. Denken Sie an alleinerziehende Mütter. Ein Hochschulstudium finanzieren liegt da oft nicht drin. Bildungsgutscheine, die am Anfang des Lebens ausgegeben werden, würden vielleicht zur Chancengleichheit beitragen.
 

Wenn Sie sich für einen Job bewerben, kommen Sie sofort ins Vorstellungsgespräch?
Irgendwie finden mich meine Jobs. Klar, die Bewerbungsunterlagen müssen perfekt sein. Aber Kontakte, die bei mir zu Mandaten oder Teilzeitjobs führten, kamen durch Vernetzen zustande. Über 50-Jährige haben selten mit einer Reaktion auf ein Stelleninserat Erfolg. Sie müssen die Hintertür über das persönliche Netzwerk finden. Und sich in der Branche einen guten Namen machen.
 

Was raten Sie Menschen, bei denen es mit der Jobsuche nicht klappt?
Sie sollen ihre beruflichen Ziele genau definieren und ihre Arbeitsmarktfähigkeit und den Arbeitsmarkt überprüfen; sich gut über einen potenziellen Arbeitgeber informieren und das Vorstellungsgespräch üben, damit sie sich sympathisch und kompetent verkaufen können. Und Kontakte zu Menschen knüpfen, um sie für die eigene Positionierung ins Boot zu holen. Es gilt aber auch, realistisch zu bleiben. Und allenfalls kreativ eine Nische zu finden.

Regula Zellweger ist multiprofessionell
«Ich versuche, positiv durchs Leben zu gehen.»

 

Das tönt gar nicht so schwierig. Trotzdem ist bei vielen, die keine Stelle haben, irgendwann die Luft draussen.
Das ist sehr verständlich! Aber schaffen Sie sich möglichst viele Landeplätze fürs Glück, für Kairos, das ist mein Rat. Sie können das Glück nicht zwingen oder produzieren. Aber Sie können ihm Chancen geben, indem Sie sich stetig weiterbilden, sich vernetzen und lustvoll an die Sache herangehen. Wer Freude an der Arbeit hat und sich mit Begeisterung engagiert, lässt das andere mit einer positiven Ausstrahlung spüren. Bekanntlich läuft der grössere Teil der Kommunikation über die Körpersprache. Ganz wichtig: nie jammern. Lieber: «Wow, das schaffe ich. Ich kann das und das bieten und bin riesig gespannt, wie ich meine Fähigkeiten einbringen kann.» Akquirieren – oder eine Stelle suchen – ist wie säen: Man wirft viele Samen auf guten Boden aus – und weiss, dass nur ein Teil wirklich wurzeln und wachsen wird. Leider ist im Voraus nicht klar, welcher Teil das ist.
 

Wie würden Sie vorgehen, wenn ich zu Ihnen in die Berufsberatung käme?
Wir würden mit Ihrem Lebenslauf beginnen und schauen, was Sie beruflich bieten und welche Fähigkeiten Sie haben. Sie machen Tests und verschaffen sich mit Fragebogen und im Gespräch mit mir Klarheit über sich selbst: Was sind Ihre Werte und Ihre Wünsche? Wie schätzen Sie Ihre Kompetenzen ein? Wichtig dabei ist es, realistisch zu bleiben und letztlich ein konkretes Ziel zu formulieren. Es gilt, sich zudem Lösungen B und C auszuarbeiten.
 

Ist Weiterbildung der goldene Schlüssel, der jede Tür zum Traumjob öffnet?
Allzu spezialisiert zu sein, kann auch ein Problem sein und ins berufliche Abseits führen. Weiterbildung liegt in der eigenen Verantwortung. Wenn in einem Lebenslauf ein Abschluss nachgewiesen wird, zeigt das: «Ich will lernen und mich weiterentwickeln.» Allenfalls ist es von Vorteil, auch Projekte zu dokumentieren. Ein Unternehmer will vielleicht lieber einen Bauingenieur, der in China ein Staudammprojekt geleitet hat, als einen Bauingenieur, der unzählige Weiterbildungen besuchte.
 

Apropos goldener Schlüssel: Haben Sie Tipps zur Motivation, die alle anwenden können?
Tipps genügen nicht. Oft fehlen meinen Klienten das Selbstvertrauen, das Selbstwertgefühl, der Mut; oder die fehlende Motivation hat mit der Grundeinstellung zu tun. Da helfe ich wenig, wenn ich aussen, am Verhalten, feile. Die Ursachen liegen tiefer. Kann mein Klient auf der Ebene der Einstellung oder des Selbstverständnisses etwas verändern, ändert sich viel. Ein Klient antwortete beispielsweise auf die Frage, was für ihn Arbeit sei: «Notwendiges Übel.» Mit der Begründung, er demotiviere andere, wurde er entlassen. Kein Wunder! Die Arbeit kann das Leben farbig machen. Arbeit ist ein prägender Teil unserer Identität. Wenn mich in der Schweiz jemand fragt: «Was bist du?», sage ich nicht «glücklich», sondern «Psychologin» oder «Lehrerin».
 

Was möchten Sie privat und beruflich erleben?
Mein Mass für Erfolg ist ausschliesslich individuelle Zufriedenheit. Und dass ich mich weiterentwickle. Neugierig zu bleiben, ist sehr essenziell. Ich weiss, ich werde noch ganz vielen interessanten Menschen begegnen. Das Wichtigste in meinem Leben ist und bleibt meine Familie.
 

Mit welcher Aussage werden Sie oft von Ratsuchenden konfrontiert?
Viel Respekt habe ich vor Menschen, die sagen: «Sie haben gut reden. Sie haben alles erreicht. Aber mir fällt es nicht so leicht.» Häufig gibt es einen guten Grund, dass Menschen so empfinden; es gibt keine Chancengleichheit. Ich antworte dann: «Ich versuche, positiv durchs Leben zu gehen.» Auch in einer schwierigen Situation bleibe ich dran. (Zeigt auf ein Poster an der Wand.) «Hinfallen, aufstehen, Krönchen zurechtrücken und weitergehen.»
 

Weitere Infos und Arbeitsmittel zum herunterladen: www.rz-laufbahn.ch
 
Arbeitsbücher:

• Mit einer neuen Stelle zum Erfolg: Link zur Buchbesprechung
Beruflich nochmals durchstarten

Tipps für Bodenhaftung: «Sich vernetzen, sich stetig weiterbilden und Landeplätze fürs Glück schaffen.»

Tipps für Bodenhaftung: «Sich vernetzen, sich stetig weiterbilden und Landeplätze fürs Glück schaffen.»
 

Diesen Artikel habe ich auf www.derarbeitsmarkt.ch veröffentlicht.

Wenn Manager schreiben

FOTOS UND TEXT: Hans-Jürgen John

Wenn Manager schreiben

Matthias Wiemeyer mit Tochter Julia, 2, und Sheltie Anouk in Laufen (BL).
Gruppenbild mit Hund: Matthias Wiemeyer mit Tochter Julia, 2, und Sheltie Anouk in Laufen (BL).
 

Matthias Wiemeyer, 51, startete als Betriebswirtschaftler, Philosoph und Germanist. Als Manager bei Grosskonzernen bewegte er viel Geld. Als Schreibschulleiter ist er in Laufen (BL) angekommen. Beruflich wie privat.

Er öffnet die Haustüre und lächelt. Sympathisch und jungenhaft. Gross ist er. Ein Zweimetermann.

Matthias Wiemeyer, Schreibschulleiter aus Laufen (BL), entschuldigt sich. Er durchquert mit raschen Schritten den Wohnbereich zum Arbeitszimmer. Ein Anrufer wartet in der Leitung. Ein kleines Mädchen mit goldblondem Haar kräht «Hallo» und stellt ihr Schaukelpferd als «Jacky» vor.

Matthias Wiemeyer studierte Betriebswirtschaftslehre, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Banker und Unternehmensberater für internationale Konzerne. Eine Bilderbuchkarriere. Vor fünf Jahren machte er sich zusammen mit seiner Frau Petra selbständig. Sie übernahmen die kleine Schreibschule «Schreibszene». Deren Gründerin wollte wieder ganz als Autorin arbeiten.
 

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Schreibschule

Die «Schreibszene» in Laufen (BL) bietet literarische und journalistische Kurse an.

Der Schwerpunkt liegt beim Schreiben im Beruf. Vom «Diplom Online-Redakteur» bis zum «Texter mit eidgenössischem Fachausweis» stehen fünfzehn Kurse zur Wahl, die in kleinen Gruppen unterrichtet werden.

Rund ein Dutzend Kurse leiten zum literarischen Schreiben an, zum Beispiel «Kreatives Schreiben», «Über Reisen schreiben» und «Von der Idee zum Buch».

Individuelle Schulungen für Firmen, Behörden, Stiftungen und andere Organisationen bietet die «Schreibszene» auf Anfrage an.

www.schreibszene.ch

 

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Die Betriebswirtschaftslehre hat ihn ins Bankgeschäft gebracht. Doch dann hat irgendwann die Germanistik gewonnen und ihn zur Schreibschule geführt? «Ganz so sei das nicht gewesen», sagt er. Er habe nie so recht in die Grosskonzerne gepasst, weil er im Herzen immer Sinnsucher gewesen sei. «Ein Sinnsucher, der sich in der Tür geirrt hat.»

Er erzählt gerne von früher. Als eine Bürotür an der Zürcher Bahnhofstrasse seinen Namen trug. Und ein Schild: «Philosophische Ambulanz – hier werden Sinnfragen gestellt und beantwortet». Er lächelt wie ein Lausbub. «Ich hatte damals einen ganz normalen Job, in dem es vor allem um Zahlen ging.» Meist sehr grosse Zahlen, weil er im Geschäft mit Mergers & Acquisitions (M&A) tätig war, dem Handel mit Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen. «Da waren alle schon zufrieden, wenn der Profit stimmte. Aber das hat mir nicht gereicht.»

Wer Sinnfragen zur Diskussion stellt, muss für eine klare Sprache sorgen. Das können in der Geschäftswelt nur wenige. Daher wurde er dauernd von Kollegen gebeten, beim Schreiben anspruchsvoller Texte zu helfen. So entstand das Hobby «Schreiben unterrichten», das heute sein Beruf ist.
 

Vom Schreiben zur Schreibschule

Wie der Zufall es wollte, stand einige Jahre später die kleine Schreibschule «Schreibszene» zum Verkauf – die perfekte Chance für ihn, den Beruf zu wechseln.

Vermisst er sein altes Managerleben? Mit einem Grosskonzern im Hintergrund, weltweiten Verbindungen und reichlich Geld, um etwas in Bewegung zu bringen? «Ich habe es immer genossen, in internationalen Unternehmen zu arbeiten. Zu Konferenzen trafen sich Leute aus allen Kontinenten. Dieses Netzwerk pflegte ich gern.» Matthias Wiemeyer schaut gedankenvoll zum Kaminofen hinüber. Eine Kiste Brennholz steht davor.

Er hält weiter Kontakt per E-Mail, da nun die Geschäftsreisen wegfallen. Es ist ganz klar: Diesen Teil seines alten Lebens vermisst er. «Du bekommst ein ganz anderes Verhältnis zum Blauen Planeten. Du kennst an vielen Orten Menschen, bei denen du willkommen bist», sagt er und schlägt die Beine übereinander. Vor dem Arbeitszimmer nässt der Rasensprenger das Grün. Der Hund folgt der Katze in die Küche.

Die Einrichtung ist gemütlich, aber nicht luxuriös. «Ich brauche Geld, um mich sicher zu fühlen. Deshalb lebe ich sparsam.» Matthias Wiemeyer fährt einen alten silbergrauen Ford. Geld für teure Markenware gibt er keines aus. Ferien in Fünf-Sterne-Hotels findet er überflüssig. Aber er ist kein Erbsenzähler. Er fühlt sich unwohl, wenn eine Autoreparatur, eine defekte Heizung oder ein Arztbesuch finanzielle Probleme schafft. Deshalb lebt er so, dass es dazu nicht kommt.
 

Glücklich selbständig?

Ob er den Wechsel in die Selbständigkeit bereue? «Ganz und gar nicht», versichert er schnell. «Ich hätte schon viel früher aussteigen sollen.»

«Da wird ja alle paar Jahre reorganisiert. Meist mit dem Ziel, ein paar tausend Leute abzubauen. Für den Vorstand ist das eine glatte Sache. Die Analysten freuen sich, wenn betriebswirtschaftlich mal so richtig aufgeräumt wird. Aber ich muss Mitarbeitende vor die Tür setzen, die ich noch vor wenigen Monaten mit der Aussicht auf eine tolle Karriere abgeworben habe.»

Er schüttelt den Kopf. In der Ferne wiehert ein Pferd. Die grossen blauen Augen schauen ernst. «Gute Führungskräfte sind doch irgendwie auch Vaterfiguren. Sie sagen ihren Mitarbeitenden: ‹Vertraut mir, ich sorge für euch.› Aber so kannst du gar nicht reden. Weil du genau weisst, dass dir beim nächsten Kurswechsel wieder die Fäden aus der Hand genommen werden. Dann hast du gar nicht mehr die Macht, deine Zusagen einzuhalten. Was sagst du einem Mitarbeiter, der ein Haus bauen will und fragt, ob sein Job bei dir sicher ist?»
 

Ein Buch soll aufrütteln

Kultur und Arbeitsklima in Grossunternehmen haben ihn lange beschäftigt. Nicht nur als betroffener Manager, sondern auch als Philosoph, der etwas verstehen will. Dazu hat er sich mit einem anderen Freigeist für ein Buchprojekt zusammengetan, «einem brillanten Physiker namens Gerhard Wohland». Daraus ist ihr Buch «Denkwerkzeuge der Höchstleister» entstanden (siehe Kasten). Die Katze verlässt geräuschlos die Küche. Der Hund folgt Richtung Haustüre.

 
Cover von Denkwerkzeuge der Höchstleister
 

Matthias Wiemeyer, Gerhard Wohland

Denkwerkzeuge der Höchstleister
Warum dynamikrobuste Unternehmen Marktdruck erzeugen

Unibuch Verlag, Lüneburg, 2012
228 Seiten, Fr. 48.90

ISBN 978-3-934900-11-0

 
 
 

Wozu ein Buch? Aus Lust am Schreiben? Nein. Eher als Therapie. Für sich selbst und für die Konzerne, die vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.

Er braucht eine Tasse Kaffee. Als er zurückkommt, stellt er Fragen: «Wie kann es sein, dass eine Firma sich eine Kultur einhandelt, die keiner haben will? Auch die Vorstände nicht. Und die Mitarbeitenden schon gar nicht. Wie kann es sein, dass ein Unternehmen sich auf Raten zugrunde richtet, obwohl alle Beteiligten klug, engagiert und wohlwollend sind?»

Diese Fragen waren der Anstoss für das Buch. Er ist stolz auf dieses Buch. Es war ihm egal, was Kritiker, Universitätsprofessoren oder Managerkollegen davon halten würden. Er trat einfach ein paar Meter zurück und brachte auf den Punkt, was sein kritischer Geist jahrelang beobachtet hatte. «Ich wusste am Anfang wirklich nicht, worauf das Buch hinausläuft», erzählt er. «Ich habe das erst nach und nach durchschaut. Mit jedem Kapitel, das ich abschloss, war ich im Denken wieder einen Schritt weiter. Und das Feilen an der Sprache hat auch das Denken geklärt.»

Dann kam das Überraschende: Die Besprechungen waren geradezu euphorisch. Einer schrieb, und das gefiel ihm besonders: Das Buch sei «wie ein Getränkestand in der Wüste der Managementliteratur». Er strahlt. «Ein solches Kompliment und noch dazu so erfrischend und anschaulich formuliert – das traf mitten ins Herz.»

Das Schreiben faszinierte ihn, lange bevor er berufstätig war. Er schrieb als Teenager Gedichte – und verbrannte später alle. Sie waren ihm peinlich, und er ist heilfroh, dass er sie heute nicht noch einmal lesen muss.

Er macht einen rundum zufriedenen Eindruck in seinem neuen Leben. Gibt es denn heute nichts mehr, was ihm graue Haare bereitet? Er lacht und streicht sich über die Halbglatze.
 

Schreiben als Therapie

Das Schlimmste sei, sagt er sichtlich bedrückt, wenn ihm jemand ein Manuskript schicke und seine ehrliche Meinung dazu hören wolle. «Es gibt viele Menschen, deren Seele schier auseinanderspringt vor widersprüchlichen Gefühlen, Sehnsüchten und Hoffnungen. Sie benutzen das Schreiben, um in ihrem Inneren Ordnung zu schaffen. Oder wenigstens Waffenstillstand.»

Schreiben kann eine sehr wirksame Therapie sein. Davon ist Matthias Wiemeyer überzeugt. Solche Texte hätten unschätzbaren Wert für die Person, die sie geschrieben habe. Vielleicht auch für ihre Familie. Aber nur ganz selten hätten sie eine hohe literarische Qualität.

«Was soll ich tun, wenn so jemand eine ehrliche Meinung zu seinem Text verlangt?» Am liebsten würde er die Manuskripte nach ein paar Zeilen zur Seite legen. Er fühlt sich als Voyeur, wenn ein fremder Mensch die Abgründe seines Innenlebens vor ihm ausbreitet und seine ganze Hoffnung daran hängt, ein literarisches Lob zu erhalten. Aber wenn das gelogen wäre? Müsse er sich dann verstellen, oder schulde er dem Autor die Wahrheit? «In solchen Momenten wird mir ganz flau im Bauch.»

Er wünscht den sinnsuchend Schreibenden etwas mehr Unabhängigkeit von den Meinungen anderer: «Ihre Texte sind wichtig und wertvoll – auch wenn sie nicht zur Literatur taugen. Gedanken und Gefühle können im Text aus der Distanz betrachtet werden. Der Teil von dir, der reflektiert, betrachtet den Teil von dir, der gelitten hat.» Das öffne den Blick für Zusammenhänge, die der hoffnungslos verstrickte Mensch sonst gar nicht wahrnehme. «Wer das lange genug macht und Texte fabriziert, die diesen Prozess dokumentieren, schliesst irgendwann Frieden mit sich selbst», ist er überzeugt. «Und nach dem Friedensvertrag findet der Mensch dann eine Geschichte in sich, die ich mit Freude lesen würde.»

Leiter der Schreibschule Schreibszene Matthias Wiemeyer

«Ernsthafte Konkurrenz hat die Schreibschule wenig», sagt Matthias Wiemeyer. Er strahlt und hebt die Stimme an dieser Stelle. Seine Frau Petra, die teils am Computer E-Mails beantwortet, teils mit Tochter Julia in der Küche hantiert, soll auch hören, was er erzählt. Da sei seine Frau Petra, die all das könne, was er nicht könne. Manchmal sei er etwas neidisch auf sie. Aber wenn er genau hinsehe, wisse er: «Dass wir so verschieden sind, ist für unsere kleine Firma ein grosses Glück. Als wir das akzeptiert hatten, teilten wir die Arbeit entsprechend auf und liessen den anderen machen. Ab da lief es prima.»

Beide legen in der Schreibschule Wert auf persönliche Beratung. «Bei uns können Interessierte auch abends und am Wochenende anrufen, wenn sie wissen wollen, welcher Kurs vielleicht zu ihnen passt.» Das sei für die Interessenten ein grosser Vorteil. Denn viele machten eine Ausbildung als Online-Redakteur oder Werbetexter, weil ihnen im alten Job die Decke auf den Kopf falle. «Das muss der Chef ja nicht unbedingt mithören.»

Manchmal rät er auch ab. «Wir wollen nur zufriedene Kunden. Daher klären wir vorher genau ab, was die Teilnehmer erwarten und ob wir die richtige Schule sind. Wir haben auch schon andere Anbieter empfohlen. Zum Beispiel die Schweizer Journalistenschule (MAZ) in Luzern oder Privatkurse einzelner Schriftsteller.»

Er ist stolz darauf, dass Teilnehmende seine Schreibschule weiterempfehlen. «Davon leben wir. Für teure Werbung fehlt uns das Geld. Da müssen wir unsere Kursteilnehmer einspannen.»

 

Dieser Artikel wurde am 30.11.2015 auf www.derarbeitsmarkt.ch veröffentlicht.

Willi Melliger begrüsst in Neuendorf zum alljährlichen Concours

Willi Melliger, seit Jahrzehnten weltweit bekannt als Springreiter, veranstaltet ab heute, Freitag, in Neuendorf / Schweiz das Springturnier.

Nähere Infos unter www.stall-melliger.ch

Impressionen zum Concours mit vielen Fotos auf http://www.johntext.ch/impressionen-von-springreitturnier-in-neuendorf/

Weitere Fotoimpressionen: http://www.johntext.ch/fotoimpressionen-von-willi-melligers-concours-2014-in-neuendorf/

Interview mit Pius Schwizer bei Willi Melligers Concours in Neuendorf http://www.johntext.ch/interview-mit-pius-schwizer-bei-willi-melligers-concours-in-neuendorf/

Fotos vom vierten Wettkampftag: http://www.johntext.ch/fotos-vom-vierten-wettkampftag-bei-willi-melliger-in-neuendorf/

Interview mit Kevin Melliger http://www.johntext.ch/interview-mit-kevin-melliger/

Fotos vom letzten Wettkampftag: http://www.johntext.ch/fotos-vom-letzten-wettkampftag-bei-willi-melliger-in-neuendorf/

Hans-Jürgen John ist Hans John (@rafaelofirst) auf Twitter und Hans.John.16 auf Facebook. Hans bloggt auf www.johntext.de und www.tage-bau.de