Karrieredating an der Universität

FOTOS UND TEXT: Hans-Jürgen John
Karrieredating an der Universität
Blick aufs Spielfeld «Karriereleiter» an der Uni Basel

Studierende an der Universität Basel würfeln sich beim Event «Karriereleiter» ins Ziel.

 

Karrieredating an der Universität

«Karriereleiter», «Job-Orakel» und «Karriere-Yoga». Mit diesen und vielen anderen Events lockte die Universität Basel zur «Langen Nacht der Karriere» am 12. November. Zeitgleich mit 11 weiteren Schweizer Universitäten.

Birgit Müller leitet das Career Service Center (CSC)Birgit Müller leitet das Career Service Center (CSC). Es unterstützt Studierende in allen Fragen des Berufseinstiegs. Sie findet die Abendstunden ideal für das Business-Meeting. «Die Veranstaltung hat sich letztes Jahr bewährt. Sowohl die Firmen als auch die Studierenden waren begeistert.»

Die Voraussetzung dafür, dass es zu einer Neuauflage kam. Wie kam es zur «Langen Nacht der Karriere»? Für Birgit Müller ist das nur folgerichtig. «Es gibt ja auch die Lange Nacht der Museen. Für den Start der Karriere musste es etwas Ähnliches geben – und zwar bevor die Studenten ihr Studium abgeschlossen haben. Dann wäre es zu spät.»

Bewusst gebe es keine Anmeldung. Birgit Müller sieht Chancen auch anderswo. «Spielerisch kommen die Teilnehmenden miteinander ins Gespräch. Je tiefer die Schranken, umso grösser die Zahl der Teilnehmenden.» Die Türe zu ihrem Büro in der ersten Etage des Kollegienhauses am Petersplatz ist weit geöffnet. Studierende kommen und gehen. Sie haben sich für Mithilfe und Organisation gemeldet und updaten Birgit Müller zum Stand der einzelnen Veranstaltungen.

Studierende und Unternehmen kommen zusammen. In der Regel. Wenn alles gut läuft. Die einen als Arbeitnehmer und die anderen als Arbeitgeber. Es ist nur eine Frage der Zeit. Womöglich für lebenslänglich. Klar, dass es vorher Schnuppereinheiten geben muss.

Die einen nennen es Praktikum, wenn die Studierenden in die Firmen oder die Verwaltungen gehen. Die anderen «Lange Nacht der Karriere», wenn die Firmen und die Bundesverwaltung an die Unis kommen. Beide Seiten dürfen sich vorher kennenlernen und erfahren, worauf die eine bei der anderen Wert legt.

Die Veranstaltungen sind kurz gehalten. So können die Studierenden herauspicken, was sie weiterbringt. Und die Firmen in den Abend mehrere Vorträge und Events packen.
 

Entspannt ins Fotoshooting

Der Kurs «Karriere-Yoga» mit Nicole Mathys verspricht Konzentration und Kraft. Und beschert gute Laune. Die Studierenden gruppieren sich um die diplomierte Yogalehrerin. Mit beiden Handflächen vor der Brust gegeneinander gelegt und dem rechten Fuss gegen die Innenseite des Knies gestützt, ringen mehrere um das Gleichgewicht. Gar so manche Teilnehmenden prusten los. Zu komisch ist der Anblick.

Wollten Sie schon immer mal wissen, in welchem Beruf Sie landen? Das «Job-Orakel» erlaubt einen Blick in die Zukunft. Ein Notebook steht bereit. Nach Eingabe des Namens erscheint die Berufsbezeichnung. Volltreffer. So genau wollte ich das nun wirklich nicht wissen. Sicher ein Zufall. Ich nehme einen zweiten Anlauf. Dieses Mal gebe ich den Namen eines genialen Freundes ein. Im Display des Notebooks erscheint: Nobelpreisträger. Ich nicke innerlich. Das könnte ihm zustossen. Jetzt ist es Zeit, abzubrechen. Sonst werde ich noch abergläubisch.

Die «Karriereleiter» erinnert an das Spielfeld von «Mensch ärgere Dich nicht». Zuerst wird erwürfelt, ob die Teilnehmenden als Mann oder als Frau mitspielen möchten. Dann wird weitergewürfelt, und die Zahl entscheidet, um wie viele Spielfelder vorgerückt werden darf.

Wie im richtigen Berufsleben gibt es Stationen mit der Aufforderung «Zurück an den Start». Und von neuem beginnt das Spiel um Erfolg oder Reset. Die Teilnehmenden haben ihr Schicksal in der Hand. Der Würfel als Symbol für Wagnis und Risiko zeigt, dass etliche Faktoren im Berufsleben ausserhalb der Kontrolle der Berufsanfänger liegen.

Die gute Nachricht: Trotz allfälliger Rückschläge kommt jeder Teilnehmende mit Geduld ins Ziel. Sowohl auf dem Spielfeld wie im richtigen Leben.

Am längsten ist die Wartezeit beim Bewerbungsfotoshooting. Das liegt an der Prozedur an sich und der grossen Nachfrage. In langer Reihe stehen gestylte Studierende an und nutzen das kostenlose Angebot.

Foto von Laura Di Raimondo

Laura Di Raimondo setzt sich ins Bild. Über Bewerbungsstrategien und Arbeitgeber.
 

Hat es etwas gebracht?

Inmitten ihrer Freundinnen treffe ich Laura Di Raimondo, 25. Sie studiert Sozialwirtschaftspsychologie im letzten Mastersemester. Und sucht den Einstieg in die Gesundheitsförderung. Gegen 22 Uhr ist sie sich sicher: «Es ist toll. Dass so viele Firmen an die Universität Basel kommen. Die Tipps zu Bewerbungsbrief und Lebenslauf sind praktisch. Und die Infostände der Firmen und der Bundesverwaltung haben mir sehr geholfen.» Sie werde zweigleisig fahren und sich sowohl in Betrieben als auch bei der Bundesverwaltung bewerben.
 

Wenn Umwege ins Ziel führen

Wie kam sie auf ihr Studienfach Sozialwirtschaftspsychologie? Ein Buch brachte sie zunächst auf die Idee, Werbepsychologie zu studieren. «Ich fand die Vorstellung, hinter Handlungen von Menschen zu schauen, faszinierend.» Ihr Blick geht in die Ferne. «Menschen interessieren mich sehr. Wie treffen sie Entscheidungen? Aus welchen Gründen? Wie können Handlungen vorhergesehen oder beeinflusst werden?»

Wieso wechselte sie den Studienschwerpunkt? «Ich nahm an einem Seminar Gesundheitspsychologie teil. Und war begeistert. Die Ansätze, Verhalten zu beeinflussen, möchte ich nutzen und Menschen helfen, gesünder und besser zu leben.»
 

Alle Möglichkeiten nutzen

Laura Di Raimondo strahlt. Sozialwirtschaftspsychologie ist das Studienfach, das ihrem Leben Sinn und Richtung gibt. Im nächsten Schritt informierte sie sich über damit verbundene Jobprofile. Und wurde fündig. Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung und Suchtprävention sind mögliche Betätigungsfelder für sie. «Ich besuche viele Messen und Veranstaltungen. Das Career Service Center der Universität Basel und die Firma together AG helfen und stellen den Kontakt zu Firmen her.»

Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement? Laura Di Raimondo lacht. «Die wenigsten können sich darunter etwas vorstellen. Grosskonzerne bieten Mitarbeitenden Ernährungsberatung und Fitnessangebote. Die werden meist von denen wahrgenommen, die sowieso gesund leben.» Ausserdem gebe es externe Firmen wie die makora AG in Zürich, die Befragungen der Mitarbeitenden anbieten. Der Arbeitgeber erhalte das Zahlenmaterial anonymisiert und sehe zum Beispiel, wie viele Mitarbeitende Burnout-gefährdet seien oder Rückenprobleme hätten. So könne er gegensteuern. Zum Beispiel, indem er der externen Firma den Auftrag gebe, sich um die betroffenen Mitarbeitenden zu kümmern. «Unter dem Strich rechnet sich das für die Arbeitgeber», sagt Laura Di Raimondo.

Sie sieht optimistisch in ihre berufliche Zukunft. Und wird das «Job-Orakel» bei der nächsten «Langen Nacht der Karriere» am 10. November 2016 testen. Wenn sie es dann noch braucht.
 

Dieser Artikel wurde am 26.11.2015 auf www.derarbeitsmarkt.ch veröffentlicht.