Krieg bedient die Emotionen. Frieden ist langweilig.

Es hat etwas von einer Ventilfunktion.
Wir schauen uns im TV einen Actionfilm an und haben danach das Gefühl, die Welt gerettet zu haben. Fatalerweise vermittelt uns die schnelle, atemberaubend spannende Handlung den Eindruck körperlich Hochleistung vollbracht zu haben. Tatsächlich lagen die Füße auf dem Schemel, um Krampfadern vorzubeugen und die einzige Bewegung war die der Hand zum Mund. Knabberzeug und Getränke fanden ihren Weg.

Es hat etwas von einer Ventilfunktion.
Die Aargauer Zeitung beschreibt den „Tag des Zorns“ im Westjordanland. Die Solidarität mit den Menschen im Gazastreifen sei groß, eine dritte Intifada nicht ausgeschlossen. Nüchterne Worte über ausufernde Emotionen auf beiden Seiten, die Menschen steuern, welche weder Krieg noch Tod fürchten. Ich zwinge mich, den Artikel zu lesen. Die EU und die USA schlagen tatsächlich vor, den Gazastreifen zu entmilitarisieren. Sind die Waffen verschwunden, bleibt der Hass. Vielleicht hilft es, alle Palästinenser wie andernorts unbequeme Mitbürger mit Medikamenten ruhig zu stellen?

Der möglichen Wege zur Beilegung des tödlichen Dramas gibt es viele. Wieso hat noch niemand vorgeschlagen, dass ein ausgewählter Kämpfer der Israelis gegen den mutigsten Palästinenser in den Ring steigt? Beide Parteien verpflichten sich, das „Gottesurteil“ anzuerkennen. So stirbt höchstens ein Mensch stellvertretend für weitere Zehntausende in den nächsten Jahren. Und die unterlegene Volksgruppe erkennt die Bedingung des Siegers an.

Es ist paradox. Allerorten entsendet die UNO Soldaten  und Einheiten, um militärische Konflikte einzudämmen und der Demokratie eine Chance zu geben. Nun währt dieser tödliche Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ein Jahrzehnt nach dem anderen. Wieso greift die UNO nicht militärisch ein oder beginnt zumindest auf dem Wege von Sanktionen eine Regulierungsphase?

Die einen sagen, es handle sich um einen Bruderkrieg. Die anderen meinen, nein, es gehe um das knappe Gut Wasser und die wertvollen Gebiete, in denen es sich befindet. Wieder andere sehen einen Glaubenskrieg zwischen Arabern und Juden.

Der Beschreibungen in den Zeitungen und Geschichtsbüchern gibt es genug. Was fehlt sind Taten. Worte wie „Friedensverhandlungen“ sind längst abgenutzt und ad absurdum geführt.

Es drängt sich der Eindruck auf, es gäbe kein Interesse am Frieden. Auch wirtschaftliche Vorteile kann ein Dauerkonflikt beiden Seiten nicht bringen. Investitionen aus dem Ausland bleiben aus. Der Konflikt ist Teil des Alltages geworden. Tote Kinder, Verwundete und immer wieder Hass und Vergeltung gehören zum Leben der Menschen in Israel und Palästina.

Und die Mütter auf beiden Seiten? Sie gebären Kinder und sehen manche davon sterben, bevor sie selbst alt sind. Vielleicht sind die Mütter der Palästinenser und die Mütter der Israelis einer der Schlüssel zur Beendigung des Konfliktes?

Sexverweigerung, um die Männer zu zwingen die Waffen zu vergessen und für die Zukunft der Familie zu arbeiten? Die Geburtenrate im Gazastreifen gehört zu den höchsten der Welt. Produzieren diese Mütter ihre Söhne bewusst, weil sie sie als menschliche Waffen für den Einsatz gegen die Israelis sehen? Sicher nicht.

Wahlrecht für politische Ämter nur für Frauen? Die Männer haben jahrzehntelang bewiesen, dass sie den Konflikt am Laufen halten können, ihn aber nicht beenden.

Wenn ich eine Waffe erhalte, ohne dass ich dafür bezahlen muss, mache ich mich zum Werkzeug der Absichten anderer – wohlgemerkt ohne deren Ruf und deren Leben zu riskieren. Anführern zu folgen bedeutet Entmündigung. Der Hass und die Wut sind die Anführer, die niemals sterben, solange Menschen sie zulassen und ihrem Ruf folgen – egal wo.

Zufrieden lege ich den Fineliner auf die Seite. Wieder etwas zu Papier gebracht. Diese Ventilfunktion ist schon toll. Ersatzhandlung. Ich schreibe ein paar Sätze und vermeide es, mich selbst in den Flieger zu setzen und im Nahen Osten etwas für den Frieden zu tun. Halleluja.

Link zum Thema auf Johntext: „Oh, Ihr Mütter der Israelis“

© 2014 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John ist auf Twitter, LinkedIn und auf Facebook.

Autor: Hans-Jürgen John

Journalist und Blogger Hans-Jürgen John ist Gründer der internationalen Literaturplattform Johntext.de - Literatur die helfen möchte. Johntext ist ein eingetragenes Markenzeichen in 27 Ländern. Auf Johntext Switzerland veröffentlicht er Beiträge zu sozialen, kulturellen und politischen Themen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.